Der 15.000 Euro Schuldner

Die Hauptverhandlung war etwas kurios, und ich bitte auch um Umsicht für das verspätete Update und die neuesten Ereignisse. Ich bitte erneut zu bedenken, dass ich hier eigene Erfahrung/Meinung wiedergebe.

Erstaunlicherweise erreichten mich mittlerweile einige Nachrichten und Mails von Personen, die sich selbst als Geschädigte sehen oder die zumindest Ihre eigene Geschichte erzählen konnten. Darunter Meldungen aus Deutschland, Österreich und auch Gran Canaria. Diese kann und werde ich hier allerdings nicht veröffentlichen.

Ich war ehrlich gesagt selbst überrascht, wieviele Leute sich persönlich bei mir gemeldet haben und Ihre Geschichten geteilt haben. Da erfährt man von Schulden hier und dort, dubiosen Geschäften, Insolvenzen, Gefängnisaufenthalte, Kundenbeschwerden, Betrügereien und anderen fadenscheinigen Vorgängen – erstaunlich. Freilich lassen sich diese Meldungen nicht überprüfen, daher bleiben Sie interessante, aber zumindest Wage Kuriositäten.

Die Gerichtsverhandlung selbst barg keine großen Überraschungen und bildete im Grunde nur das ab, was bereits in der Klageerwiderung schriftlich mitgeteilt wurde (siehe Seite 2). [Anonym] bestätigte vor Gericht, dass ihm bei Vertragsschluss bereits bewusst war, dass eine Anteilsveräußerung nicht möglich war.

Überraschenderweise gab [Anonym] allerdings an, dass ich den notariellen Besuch direkt verweigert hätte.  Wie weiter vorne bereits vermutet, sollte dies auf der absurden Annahme basieren, dass der ursprüngliche Vertrag nur die Absicht des Versuches darstellte. Die Aussage, dass ich den Notarbesuch verweigerte sollte also darauf abzielen, dass ich die Vertragserfüllung behindert hätte.

Nur, dass es logisch betrachtet ja überhaupt keinen Sinn ergibt, dass ich erst 10.000 Euro im Austausch für Firmenanteile aushändige, nur um dann direkt die Anteilsüberschreibung zu verweigern? Welcher Logik folgt das denn?

Abgesehen davon gibt es gewisse Abläufe, die vor einer notariellen Umschreibung hätten passieren müssen und diese wurden nie durch [Anonym] in die Wege geleitet.

Hier wurde dann auch weiter angegeben, dass wohl mündlich vereinbart worden wäre, dass beide Parteien nochmals je 10.000 Euro in die Firma hätten einbringen sollen.

Dies ist nicht nur völlig aus der Luft gegriffen, sondern ist wieder auch ziemlich unlogisch. Warum sollte ich ohne Gegenleistung weitere 10.000 Euro einbringen wollen und das nicht im ursprünglichen Vertrag vermerken? Und woher hätte [Anonym] die 10.000 Euro haben sollen, wenn er doch in ganzen 3 Jahren angeblich nicht in der Lage war jedwede Schulden auch nur teilweise zu tilgen?

Weitere Überraschungen gab es im Grunde nicht. Es wäre meine Schuld (als stiller Teilhaber/Geldgeber mit lediglich 10% beabsichtigten Beteiligungsanspruch), dass das Unternehmen zahlungsunfähig wurde und ich hätte ja bereits im Vorfeld den Notar verweigert.

Update 28.09.2016: Der Richter hat sein Urteil gefällt und schriftlich abgelegt. [Anonym] hat den Prozess verloren und wird zur Rückzahlung von 10.000 Euro und Erstattung aller Prozesskosten verurteilt.

Der Richter gibt dem Kläger in allen Punkten recht, so hätte ein Verkauf von Anteilen aus diversen Gründen gar nicht stattfinden dürfen; auch der Umstand, dass [Anonym] vor Gericht angab, sich dieser Sachlage und der von ihm erwarteten Pflichten bewusst war hat diesen Punkt nur unterstrichen.

Nach 20 Werktagen Berufungsfrist wird das Urteil rechtskräftig und kann vollstreckt werden.

Die Gesamtkosten für [Anonym] für das Nicht-Bezahlen der ursprünglichen Forderung, des Rechttsstreits und der damit verbundenen Zusatzkosten dürften sich mittlerweile in nicht trivialen Gegenden bewegen.

Nachtrag, 31.10.2016 – Im letzten Moment wurde tatsächlich noch Berufung eingelegt (ich vermute eine simple Verzögerungstaktik – also die maximale Verzögerung zu erwirken). [Anonym] beruft sich scheinbar (u.a.) auf die Vertragsformulierung – nun denn. Da klar ist, dass es sich nicht um eine Schenkung handelte geht die Sache eben in die zweite Runde.

Betrachtet man den ursprünglichen Auslöser des ganzen Rechtsstreits (jegliche Verweigerung der Rückzahlung von den lediglich 5000 geliehenen Euro, die noch nicht einmal Teil dieses Prozesses sind) – und die bisherigen für [Anonym] entstandenen Anwaltskosten so wird schnell klar, dass sich der gute Mann jede Menge Kosten, Nerven und Ärger hätte ersparen können, wenn er sich zumindest zahlungswillig gezeigt hätte. Von meiner Seite gab es ja mehrmalige Angebote zur zinsfreien Schuldentilgung ohne weitere Regressansprüche.

Aufgrund regen Interesses wird natürlich weiterhin über den Ablauf berichtet.

13 Gedanken zu „Der 15.000 Euro Schuldner“

  1. Den kenn ich noch aus Deutschland. Er hat dort auch Geld geklaut und war auch schonmal im Knast (wir hatten ja bereits per Mail geschrieben)

    1. Ob er Geld geklaut hat weiß ich nicht, aber hat zumindest noch einige Schulden offen. Ob das noch so ist, kann ich aber nicht sagen. Muss mal ein paar alte Kollegen kontaktieren, wie der Stand der Dinge ist. Die sind sicher neugierig

        1. Solltest du selbst Probleme dort gehabt haben, kannst du Dich ja an **** wenden und Deinen Sachverhalt dort mitteilen – die sind in der Regel recht flott, wenn es um Ihren Namen oder Ruf geht.

  2. Er hat sich im übrigen vor kurzem einen Mercedes SL500 mit entsprechender Leistung zugelegt.

    Scheint es sich gut gehen zu lassen, während er sich sein Leben scheinbar durch Schulden finanziert, die er nicht gedenkt zurückzuzahlen. Der Wagen hat vermutlich genausoviel gekostet wie er Dir schuldet.

    Gibt’s schon was neues von der Gerichtsfront?

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