Power the World – Strom aus der Wüste

Die großen Wüsten – wie bspw. die Sahara – sind idealle Standorte für Strom aus Sonnenenergie. Immer wieder mal verbreitet sich, dass bereits eine Fläche von 254 km² ausreicht um den Energiebedarf der Welt zu decken. Klingt alles sehr einfach, hier geht’s aber erstmal darum, was ihr NICHT bedenkt.Zuallererst sind diese „Verbreitungen“ meistens mit einem Link verbunden. Tatsächlich eine 186-seitige Diplomarbeit über machbarkeit und vor allem ökologischen Einfluss des Energietransportes nach Europa und Auswirkungen desselben. Dieser Link wird kaum gelesen, sonst würden die „Verbreiter“ nämlich bereits mitbekommen haben, dass das Dokument über Solar Thermal Energie spricht und nicht Photovoltaik (also keine Panele).

Auch hört man oft, dass das ja alles so simpel sei und warum es nicht schon längst gemacht wurde wäre nur eine Art Verschwörung der Ölförderungsbetriebe (o.ä.)

„Aber die Ölunternehmen lassen das nie zu“

An diesem Punkt direkt: Wer denkt, dass jetzige Ölunternehmen nichts besseres zu tun haben, als alternative Energiequellen zu sabotieren und stattdessen warten, dass das Öl in absehbarer Zeit ausgeht, der sollte seine Sichtweise überdenken. Tatsächlich sind es die Energiekonzerne, die bestrebt sind Ihr Unternehmen in die Zukunft zu führen und das kann mit Öl nicht passieren. Tatsächlich wird viel Kapital in die Erforschung (nicht Träumereien) von alternativen Energiekonzepten und -trägern investiert. Denn Öl/Energiekonzerne wollen auch in 30 Jahren noch Umsätze/Gewinne generieren. Also, liebe Verschwörungstheorethiker, bitte erst nachdenken.

„Warum es tatsächlich noch nicht gemacht wird“

Tatsächlich ist es so – und das stellt auch die oben verlinkte Diplomarbeit dar – dass die Kosten für eine völlig neue Infrastruktur zum Stromtransport erheblich wären und Zeit benötigen würden. Wäre der Konsument bereit einen erheblichen Mehrpreis für Energie zu bezahlen? Wäre er nicht. Öl ist als Energieträger schlichtweg aktuell billiger. Das wird sich in Zukunft sicherlich ändern und dann bleibt dem Konsumenten gar keine Wahl aber bis dahin wird der Energieversorger eben das Produkt anbieten, wonach Nachfrage besteht. Eben diese Nachfrage ist es, die den Ölpreis bestimmt – ihr alle seid das Problem, ihr alle produziert Nachfage – und genau deshalb haben wir heute Energie aus fossilen Stoffen, weil eben billig. Wenn Ihr bereit seid, den doppelten Preis pro kW zu bezahlen (oder mehr) dann wird ein Energieversorger auch gewillt sein ein solches Produkt anzubieten  und nein, das ist weder Gier noch sonstwas, das ist Wirtschaft. Die Angestellten des Energiekonzerns arbeiten ebensowenig für umsonst wie du – der werte Leser – es tust und der Staat will auch seinen Anteil.

Solar Thermal vs Photovoltaik

Kurz den Unterschied erklärt, falls dies unklar ist. Photovoltaik sind die hübschen blauen Panele, die aus Sonnenlicht direkt Strom erzeugen. Wie das tatsächlich funktioniert ist in der wikipedia nachzulesen. Photovoltaik hat aber viele Probleme, wie bspw. Verschmutzung, Anfälligkeit auf Defekte und Effektivitätsverlust bei Wärme. Herzlich unpraktisch in der Wüste also.

Solar Thermal funktioniert anders. In der Regel ein Turm in der Mitte umrundet von Spiegeln, oder Wasserrohre umgeben von bewegelichen Spiegeln. Hier wird das Sonnenlicht durch die Spiegel gebündelt und damit Wasser erwärmt. Der entstehende Wasserdampf wird durch eine Turbine geleitet. Grundlegend wie fast jedes andere Kraftwerk auch, nur dass eben Sonne genutzt wird. Wasser benötigt man trotzdem. Auch unpraktisch in der Wüste, aber machbar.

Ganz ehrlich, jeder der heute von Photovoltaik (Solarpanelen) anstatt von Solar Thermal Kraftwerken spricht hat keine Ahnung und sollte besser gar nichts sagen. Photovoltaik ist fein für die Teichpumpe im Garten oder zum Eigenverbrauch, aber steht gar nicht erst zur Debatte wenn es um Stromproduktion im großen Stil geht.

Probleme mit Solar Strom

Solarstrom ist zwar sauber und in praktisch unbeschränkter Menge vorhanden aber er ist zeitlich gebunden. Zumindest mit Solaranlagen auf der Planetenoberfläche. Nachts wird kein Strom produziert und Strom lässt sich nicht effektiv speichern. Tatsächlich muss überschüssiger Strom auch heute verpufft werden lassen, bis die Kraftwerke entsprechend Ihre Leistung verringert haben – das Ziel ist immer soviel Strom zu produzieren, wie auch verbraucht wird. Das ist heutzutage Alltag, auch, wenn Ihr das nicht wisst oder nicht mit bekommt. Dazu gibt es außerdem Phasen pro Tag wo der Stromverbrauch generell höher ist und welche, wo er generell niedrig ist. Auch Nachts wird Strom verbraucht – all dies muss zusätzlich berücksichtigt werden, viele „Umweltschützer“ tun das leider nicht.

Weitere Probleme

Und es gibt eine große Menge an weiteren Faktoren, die der gemeine Umweltschützer nicht kennt, nicht versteht oder nicht sehen will – für Ihn ist immer alles „einfach“ und „unverständlich“ warum es nicht schon längst getan wurde.

Politische Probleme – will Europa abhängig von Afrika sein? Klingt trivial, aber eine totale Energieabhängigkeit von Afrika kann problematisch werden, speziell, wo man sich heute soviel Mühe macht die Abhängigkeiten von anderen Ländern wie Russland etc zu eliminieren. Am Ende ist die Welt kein Spielplatz, wo sich alle die Hände halten und Kumbaja singen und auch ist die afrikanische Regierung nicht unbedingt für Ihre Stetigkeit bekannt.

Auswirkungen der Infrastruktur – Transport von Strom in der besagten Größenordnung hat erheblche Nebeneffekte, wie bspw. Magnetfelder in der Transportleistung und eventuelle Auswirkungen auf Bodengüte etc. Die oben verlinkte Diplomarbeit befasst sich streng genommen mit genau dem Thema. Der „Umweltschützer“ vergisst darauf gerne, daher fand ich es herrlich, dass sich jemand tatsächlich diese Problematik als Thema seiner Diplomarbeit gewählt hat.

Alles in allem ist eben nicht alles so „einfach“ wie sich viele denken. Es ist auch nicht einfach eine Herztransplantation durchzuführen, auch wenn man streng genommen nur ein Teil hier abhängt und woanders wieder anschliesst. Hinter den Kulissen ist sowas immer ein sehr komplexes Unterfangen. Es ärgert mich maßlos, wenn eben solche „blabla, 254 km² versorgen die Welt“ Dinge geteilt/gepostet/weitergesagt werden, dann alle nicken und schon anfangen Verschwörngstheorien zu verfassen, ohne auch nur einen Moment darüber nachgedacht zu haben, was tatsächlich dazu gehört. Was mitunter vermutlich auch der Grund ist, warum Veränderungen auf diesem Planeten so langsam von Staaten gehen: Zuviele mit zu wenig Ahnung wollen ständig mitreden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.