All Inclusive

Unter den Einheimischen ist AI (All-Inclusive) und Hotels, welche AI anbieten verpöhnt, ja, von manchen sogar als Wurzel allen Übels angeprangert. Doch ist AI wirklich so schlimm, wie manche denken und welche Auswirkungen hat AI oder Nicht-AI auf die Wirtschaft der Kanaren?

Schon zu Beginn dieses Artikel muss man ganz klar auf eine Tatsache hinweisen. AI existiert, weil eine Nachfrage besteht. Der Tourist hat die freie Wahl ob er mit oder ohne AI bucht, niemand zwingt ihn dazu. Der Tourist ist grundlegend als freier Mensch zu betrachten, der zum Zwecke der Erholung sein Geld auf die Kanaren bringt.Er ist definitiv keine Mastkuh, die man von einem Gatter zum nächsten treibt damit sie dort immer wieder von neuem gemolken werden kann, auch, wenn das manche gerne so hätten. Die Tatsache, dass AI angeboten wird ist ein direktes Resultat davon, dass Gäste AI wünschen.

Es gibt von den AI Gegnern viele wiederkehrende Argumente, welche wir etwas genauer betrachten wollen:

AI Touristen verlassen das Hotel nicht

Häufig wird argumentiert, dass AI die lokale Wirtschaft dahingehend schädige, weil die Touristen nur noch in Ihren Hotels bleiben und nicht mehr nach draußen gehen um andere Lokalitäten zu besuchen.

Zum einen müssen wir hier wieder erwägen, dass der Tourist dass viell. auch gar nicht will und gerade deswegen überhaupt erst AI gebucht hat. Würde kein AI angeboten werden, würde der Tourist viell. gar nicht erst kommen und eine andere Destination wählen, welche seinen Präferenzen eher entspricht. Wer hätte was davon? Niemand.

Zum anderen gab es seit jeher Hotels die Frühstück, Abendessen und/oder Mittagessen anbieten (Vollpension ist sicherlich vielen ein Begriff). Oftmals sind diese aufpreis-pflichtig und der Tourist entscheidet völlig wissentlich ob er oder ob er nicht auswärts essen will – für viele ist es schlichtweg eine Frage der Bequemlichkeit – schließlich ist man im Urlaub.

Außerdem bleiben AI Gäste selten ständig im Hotel. Sie erkunden ebenso die Insel wie andere Touristen nur mit dem Unterschied, dass sie eben Verpflegung im Hotel bekommen (was aber auch nichts neues ist, das gab es schon vor AI)

Auch Familien mit Kindern buchen vermehrt AI – aus ganz nachvollziehbaren Gründen.

AI Hotels kosten Arbeitsplätze

Auch ein häufiges Argument ist bspw. dass AI Arbeitsplätze kostet. Auch das muss man differenzierter betrachten. Wenn ein Hotel sein Leistungsspektrum dahingehend verbreitert, dass es einen adäquaten Ersatz für Restaurants/Bars für x Touristen bereitstellt dann benötigt es dafür grundlegend dieselben Ressourcen wie ein/e externes Restaurant/Bar.  Es benötigt zusätzliches Personal, zusätzliche Waren, zusätzliche Logistik. Die Warenkette bleibt davon grundlegend unbeeindruckt.

Richtig ist, dass ein AI Gast primär im Hotel konsumiert und daher der AI Gast eher selten ein Gast in einer Kneipe oder einem Restaurant sein wird – aber hier wieder: Der Gast hat sich das bereits im Vorfeld gewünscht sonst hätte er gar nicht erst AI gebucht. Er wurde weder gezwungen noch überredet, er ist ein freier Mensch, der für sich entschieden hat, dass er lieber im Hotel bleiben will.

Ausgehend von der Tatsache, dass AI Hotels generell zusätzliche Besucher auf die Inseln locken (und angesichts des Anstiegs der letzten Jahre ist dieser Umstand offensichtlich) bedarf dieser zusätzliche Besucherstrom weitere Logistik und weiteres Personal auf den Inseln. Sei es Transport, seien es Unternehmungen – mehr Touristen auf der Insel ist für viele Bereiche ein positiver Aspekt und schafft auch Arbeitsplätze – dass AI-Touristen Ihr Bier gratis im Hotel bekommen ist zwar unpraktisch für Bars und Kneipen, welche gerne 3 Euro pro Bier verlangen würden, für den Gast allerdings ein großer Anreiz die Kanaren einer anderen Destination vorzuziehen und das fördert die lokale Wirtschaft, wenngleich Restaurants und Bars eher zum Anteil derer zählen die weniger davon profitieren – allerdings leiden jene wohl eher unter verstärkter Konkurrenz, denn es ist nicht mehr 1980, wo man auch das fahle Bier überteuert an den Mann bringen konnte, weil dieser schlichtweg keine Alternative hatte.

AI muss weg

Der Weisheit letzter Schluss ist für viele, dass AI generell verboten werden sollte. Es solle weg, weil das keine richtigen Touristen sind, die kein Geld für Shopping etc ausgeben wollen.

Da haben wir es wieder. Der Tourist als Melkkuh – kein Wunder, dass AI immer interessanter wird, wenn ein Tourist auf diese Weise betrachtet wird.

Wenn es nach so manchem ginge, dann würde man die Touristen einfach dazu zwingen jeglichen Konsum außerhalb des Hotels tätigen zu müssen. Vielleicht mit Peitschen und Trommeln.

Sie kommen gar nicht auf die Idee, dass der Wegfall von AI auch den Wegfall einer großen Menge an Besuchern bedeuten würde, weil – und ich erwähne es immer wieder gerne – Touristen AI buchen, weil sie das wollen! Freiwillig. Absichtlich. Die meisten suchen ganz gezielt nach Unterkünften mit AI – aus verschiedensten Gründen. Die Kanaren besitzen nun leider kein riesiges Alleinstellungsmerkmal, dass ein Tourist, der eigentlich gerne AI hätte, trotzdem bucht, weil er unbedingt auf die Kanaren will. Mag vorkommen, aber bleibt die Ausnahme. Aber, wenn wir alle Marktforscher wären, dann wäre das ja auch langweilig.

Was viele vergessen

Die zusätzlichen Touristen – und wir sprechen hier tatsächlich von zusätzlichen Besuchern auf der Insel – bringen jede Menge für die Wirtschaft.

Ein Tourist, der 1000 Euro auf die Insel bringt, bringt 1000 Euro auf die Insel. Es werden Steuern bezahlt, Zimmermädchen, Koch, Kellner, Taxis, Busfahrten, Ausflugs-Planer und tausend andere Services, die davon profitieren, dass schlicht und ergreifend mehr Touristen auf die Insel kommen. Hier pauschal zu sagen “AI ist böse” kann kaum eine ernst zunehmende Aussage sein.

Davon abgesehen unterscheiden sich AI Hotels im Leistungsumfang nicht massiv von Hotels mit Vollpension (abgesehen von Getränken und Snacks in fragwürdiger Qualität). Ich sehe jedenfalls niemanden gegen Vollpension in den Krieg ziehen und auch nicht, wenn Appartement-Vermieter Verpflegung inkludieren.

Eventuell argumentieren die Gegner deshalb, weil sie meinen, dass AI bestehende Besuchergruppen abgreifen würde. Das ist aber nicht der Fall. AI Touristen sind eben AI Touristen und Nicht-AI Touristen sind eben keine. Jemand, der gerne auswärts isst, wird kein AI buchen und jemand, der nicht gerne auswärts isst, der wird AI buchen.

Betrachtet man die steigenden Zahlen der letzten Jahren und spricht man mit ansässigen Leistungsanbietern, dann zeigt es ganz klar, dass es in fast allen Bereich zu erhöhten Gewinnen gekommen ist. Manche Branchen profitieren, manche eben nicht – das kann aber auch an vielen anderen Faktoren liegen, wie gestiegene Konkurrenz oder schlichtweg mangelhaftem Service

Auch sinkt die Arbeitslosenquote. Die Steuereinnahmen steigen. Die letzten Jahre waren eine gute Zeit für die kanarischen Inseln, was natürlich auch außenpolitische Ursachen hatte, aber grundlegend ist es zu begrüßen, dass sich die Kanaren auch als AI-Urlaubsziel Ihren Teil vom Kuchen verdienen – und das bedeutet ja nicht zwangsläufig, dass der traditionelle Tourismus absinkt.

Dem traditionellen Touristen ist es nämlich völlig gleichgültig ob es auf der Insel auch AI-Anlagen gibt. Er kommt deswegen nicht weniger gern auf die Insel.

 

AI kann keinen Gewinn machen

Kürzlich erst darüber gestolpert, als jemand meinte, dass bei AI gar kein Gewinn gemacht werden könne und daher sowieso alles schlecht ist.

Das ist nicht korrekt. Eine große Anlage kann erheblich effizienter arbeiten als viele kleine Betriebe. Das ist nunmal einfach so. Natürlich benötigt eine große Anlage weniger Resourcen und Personal für 500 Gäste, als wenn es 20 kleine Restaurants wären, die jeweils 25 Gäste bedienen.

Der große Gewinn liegt im Ersparnis der Grundkosten. Personal spielt eine untergeordnete Rolle. Für den kleinen Restaurantbesitzer sind die Grundkosten (Miete, Steuern, Buchhaltung, Gestorio etc etc) ein erheblich größerer Anteil als für das Hotel.

Ein Restaurant, mit 1000 Euro Grundkosten und 3000 Euro Umsatz verliert 30%, während ein Hotel mit 10000 Euro Grundkosten und 100000 Euro Umsatz lediglich 10% verliert (fiktive Nummern logischerweise, für Details erfragen Sie bitte Bilanzeinsicht in bei Hotelgruppen und vergleichen sie mit Bilanzen kleinerer Restaurants).

Der Punkt ist, dass ein Hotel in Sachen Versorgung schlichtweg effektiver arbeiten kann (nicht muss) während ein/e Restaurant/Bar in seiner Effizienz eben beschränkt ist.

Lässt sich dieser Umstand lösen? Sollen wir ihn überhaut lösen? Wie würde sich ein reguliertes AI auf die Besucheranzahl auswirken? Vermutlich negativ. Es ist auch falsch anzunehmen, dass das Konsumverhalten für immer konstant bleibt. War der Tourismus auf den Kanaren vor 20 Jahren noch so und so, dann ist das heute einfach nicht mehr so – Menschen, Bedürfnisse und Konsum verändern sich ständig.

AI verbieten

Ich bin genereller Gegner davon Dinge zu verbieten, die grundlegend dem freien Markt und den Gesetzen von Angebot und Nachfrage unterliegen (und damit ein sich selbst regulierendes System zum Wohle beider Parteien darstellen).

Was kommt als nächstes? Verbieten wir Versicherungen die Rabatte geben, wenn man mehrere Produkte bucht? Verbieten wir das Sozialsystem, weil es im Wettbewerb zu kleineren privaten Versicherungen steht? Warum verbieten wir nicht generell, dass Hotels Verpflegung anbieten?

Nein. Ein Verbot ist abzulehnen. Eine Regulierung? Das kommt drauf an, worauf diese abzielt. Was genau will man regulieren? Warum sollte der Gesetzgeber überhaupt in einen freien Markt eingreifen? Wo sind die Vorteile?

Schlusswort

Angenommen, man stehe unverhofft einem AI Toursiten gegenüber und würde von diesem gefragt werden, welchen Vorteil er hätte, wenn er nicht AI buchen sollte, und was er denn verpasst, weil er AI gebucht hat.

  • Einen ranzigen Bungalow?
  • Biertrinken in der Cita?
  • Mit dem Mietwagen über 20.000 Bremshügel fahren?
  • Lokal-Schlepper-Slalom in der Kasbah?

Der (AI-)Tourist von heute will Service, er will Entspannung, deswegen ist er hier, deswegen bezahlt er viel Geld. Es mag sicher einige geben, die denken, der Tourist ist hier, weil er es nicht besser weiß oder weil er sonst nirgendwo hin könnte – das ist aber nicht korrekt.

Der Tourist hat oftmals ganz klar Vorstellungen was er sich von seinem Urlaub erwartet und bucht diesen völlig wissentlich eben mit oder ohne AI – bei AI geht es nicht darum, dass der Tourist Geld spart, bei AI geht es darum, dass sich der Tourist um nichts kümmern muss, er ist versorgt. Vollständig und muss sich nicht Gedanken darüber machen wieviel Geld er extra mitnehmen muss, oder ob er in irgendeinem Lokal abgezockt wird. Deswegen funktioniert AI. Nicht für alle freilich, aber es hat seine Berechtigung.

Wenn Ihr so unzufrieden damit seid, dass Hotels AI anbieten, dann seid viell. eher unzufrieden damit, dass Touristen überhaupt AI buchen. Würde es nämlich nicht gebucht werden, dann würde es auch kein AI geben, weil es nicht mehr lukrativ wäre.

Wie üblich ist an dieser Stelle jeder herzlich eingeladen sich an der Debatte zu beteiligen und Argumente in den Kommentaren zu posten

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