Wohnen in Arguineguin

Arguineguin, Mogan und Puerto Rico. Das beste Wetter der Insel, aber ein grundlegendes Problem: Die Häuser stehen Kante an Kante und das bringt so einige Probleme mit sich. Unter anderem Nachbarprobleme – weswegen wir es dort dann letztendlich auch nicht viel länger als 1 Jahr ausgehalten haben.

Arguineguin ist an sich ein beschauliches kleines Dörfchen mit erstaunlich hohem Verkehrsaufkommen zu den Stoßzeiten – das hat sich auch nicht wirklich mit der Verlängerung der Autobahn nach Mogan gebessert, zu gewissen Zeiten ist die Hauptstraße von Arguineguin regelmäßig mehr oder minder verstopft. Damit muss man eben einfach leben und die meisten werden von Ihrer Heimat ohnehin schlimmeres gewohnt sein.

Arguineguin – ebenso wie jede andere Stadt auf Gran Canaria – bietet optisch zwar ein teilweise schönes aber gewohntes Bild von Reihenhäusern die Wand an Wand gebaut wurden. Bauplatz ist teuer, da es die Regierung quasi unmöglich macht, außerhalb der Städte legal Wohnhäuser zu bauen. So pferchen sich auf engstem Raum 2-3 stöckige Reihenhäuser ( hier Duplex oder Triplex genannt, von Maklern auch gerne fälschlicherweise mal als Villa, Chalet oder Haus angepriesen). Diese sind teilweise sogar richtig nett.

Das Problem

Das Problem ist allerdings die Nähe zum Nachbar und das teilweise vollständige fehlen von Privatsphäre – es fühlt sich eher an wie eine kleine Hotelanlage ohne Service. Nachbarn laufen an der Veranda vorbei und erhalten tiefe Einblicke in das eigene Wohnzimmer und auf der Terasse kann man ganz gemütlich den alltäglichen Problemchen der Nachbarschaft lauschen – sofern man deren Sprache mächtig ist.

Multi-Kulti

Wie auf den Kanaren üblich findet man Menschen aus allen Teilen der Welt. Meist Skandinavier, Engländer und Deutsche. So gesehen ist das weniger ein Problem, die Herkunft spielt kaum eine Rolle, wenngleich man fast schon einer statistischen Häufigkeit folgen kann, welche Nationen eher gute und welche eher schlechte Nachbarn sind.

Sei es der pingelige Typ von 3 Häuser weiter, der am Weg zum Pool die Pflanzen auf der Veranda nicht so hübsch findet oder die Nachbarn auf der anderen Mauerseite, die regelmäßig um 2 Uhr früh laut schreiend einen Beziehungsstreit beilegen müssen, den auch wirklich alle Nachbarn hören sollen.

Lärmschutz

Lärmschutz gibt es nicht. Es gibt eine dicke Wand zwischen den Häusern – die hilft aber nichts, wenn nach oben und vorne alles offen ist. Man hört ständig Leute sprechen, als säßen Sie im Nebenzimmer, man kennt schon nach wenigen Tagen den Musik und TV Geschmack der ansässigen Nebenwohner und nach einigen Wochen kann man bereits einen relativ genauen Plan davon machen, wann welche Nachbarn abends nach Hause kommen, wann Sie lauthals streiten oder Ihre ehelichen Pflichten erfüllen.

Mit etwas Glück hat man Blick auf ein noch frei stehendes Grundstück, auf dem die nächsten Wochen mit dem Schlagbohrer Platz für ein Haus geschaffen wird – aber eigentlich wird immer irgendwo gebaut. Wenn nicht gerade Fussball im Fernsehen ist, ist es relativ still – mit Fussball verpasst man allerdings auch ohne TV kein Tor.

Kanarisches Wohngefühl

Arguineguin könnte man dabei fast schon als stellvertretend für das generelle kanarische Wohngefühl heranziehen. Beengtes Bauen, da freistehende Neubauten weitestgehend verboten (man darf am Land eigentlich nirgendwo bauen). Laut. Problematische Nachbarn. Wenig gesunder Menschenverstand – außer man hat Glück mit den Nachbarn, dann wird’s erträglich.

Generell kann(!) man schön wohnen, Arguineguin bspw. ist ein lauschiges Plätzchen und wäre es nicht so beengt sicherlich eine tolle Ortschaft zum Wohnen.

Wenn der Kragen platzt

Irgendwann hat man dann aber auch genug. Man kann die Nachbarn irgendwann nicht mehr hören, bekommt schon Anflüge von Hass, wenn man nur Ihre Stimme hört – dann wird es Zeit sich auf die langwierige Suche zu begeben, eine Wohnadresse abseits des Trubels zu finden. Überteuerte Gefilde mit schlechter Qualität aber zumindest mit mehr Raum zum Nachbarn und damit (hoffentlich) gesenktem Risiko, wieder neben Idioten zu wohnen.

Allerdings ist auch ein sehr großes Grundstück, sehr hohe Miete und Inkaufnahme  von schlechterer Infrastruktur und Pendelstrecke und eine minimale Anzahl von Nachbarn kein Garant dafür, dass man fortan in Ruhe wohnen kann, wie hier zu lesen

 

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