Warum man Krebs nicht heilen kann

Tagtäglich liest man von neuen Errungenschaften bei der Krebsforschung. Tagtäglich liest man aber auch so Zeug von wegen, die Pharmaindustrie würde alternative Heilmittel zurückhalten.

An erster Stelle sei gesagt, dass man mit einem Heilmittel für Krebs unglaubliche Mengen an Geld verdienen würde, die Pharmaindustrie würde ein Krebsheilmittel also sofort selbst nutzen und vermarkten, immerhin sprechen wir von Millionen von Krebsneuerkrankungen pro Jahr. Man muss kein Mathematiker sein um sich auszurechnen, dass ein Heilmittel profitabler wäre als die Rückhaltung desselben.

Was viele Menschen leider auch nicht bedenken ist, was Krebs eigentlich ist. Krebs ist keine Krankheit im engeren Sinne, die sich heilen liese. Man kann das erkrankte Gewebe entfernen (ob nun chirurigisch oder chemisch, bspw. Chemotherapie, Bestrahlung) und hoffen, dass es nicht wieder kommt.

Was ist Krebs

In einem gesunden Körper herrscht ein Gleichgewicht zwischen Zellneubildung und Zellsterben. Tatsächlich ist es so, dass Zellen nach einer gewissen Zeit absterben und neu gebildet werden. Das hält die DNA frisch. Ist dieses Gleichgewicht nun zugunsten des Zell-Wachstums gestört, beginnen sich Wucherungen zu bilden. Diese Störung ist genetisch (durch Mutationen) bedingt.

Die Gründe für solche Mutationen des Genoms sind vielfältig, quasi unzählbar und zu einem gewissen Teil sogar erwünscht (Evolution) – es lässt sich nicht HEILEN. Die einzige(!!!) Möglichkeit Krebs tatsächlich zu heilen, wäre die DNA zu verändern oder die schadhafte DNA restlos zu entfernen. Dies ist weder mit irgendwelchen Früchten noch mit irgendwelchen Säften oder Medikamenten möglich. Da muss man auch kein Genie dafür sein. Genveränderndende Substanzen wären in jedem Fall sowieso illegal und da wir alle verschiedene DNA besitzen ist es auch technisch nicht möglich, dass eine Pflanze für alle passen würde.

Krebs ist also lediglich der Name für defekte Zellen die unkontrolliert wuchern und sich ausbreiten. Während ein Virus oder eine Bakterie eine spezielle eigene (für den Körper fremde) DNA besitzt gegen die man Antikörper entwickeln kann ist das bei Krebs nicht der Fall – tatsächlich sind es körpereigene Zellen mit Zellschaden – es KANN also keine Medizin geben, es sei denn sie wirkt ähnlich wie bisherige Therapien:

Unsere aktuellen Möglichkeiten gegen Krebs beschränken sich also ausschließlich auf den Versuch, das krankhafte Gewebe restlos zu entfernen indem man die Charakteristica von solchem Geweben ausnutzt. Die bekanntesten:

Chemotherapie / Zytostatika

Mit einem Chemiecocktail wird das Zellwachstum (aller Zellen!) absichtlich gestört/gehemmt.  Dies wirkt insbesondere auf schnell wachsendes Gewebe (auch Haarwurzelzellen, daher fallen die Haare aus). Tumorzellen sind empfindlicher gegen solche Einflüsse als „gesunde“ Zellen. Das Ziel ist genügend oder alle Tumorzellen absterben zu lassen und gesunde Zellen nicht zu schädigen. Die Chemotherapie ist damit keine MEDIZIN – sie ist eine absichtliche Vergiftung mit dem Ziel die „schwachen“ Tumorzellen zu töten, bevor alle anderen drauf gehen. Es ist riskant, es ist brutal aber für viele Patienten die letzte Hoffnung.

Die Chemo ist ein Cocktail von eben jenen wachstumshemmenden Stoffen in Verbindung mit einer Menge anderer Medikamente um die Nebenwirkungen zu mindern.

Strahlentherapie

Ähnlich wie auch die Chemotherapie nutzt auch die Strahlentherapie eine Characteristika/Schwäche von Krebszellen aus. Diese sind anfälliger gegen Strahlung, da sie eine geringere Reparaturkapazität besitzen. Man verstrahlt also einfach das gesamte Gewebe und vertraut darauf, dass sich das gesunde Gewebe wieder regenerieren kann, während das schadhafte Gewebe (Krebszellen) abstirbt.

Resektion / operative Entfernung

Dabei wird das entdeckte krankhafte Gewebe großräumig herausgeschnitten. Der Krebs  – sofern er früh genug entdeckt wird – kann so herausgeschnitten werden, bevor sich die krankhafte DNA im Körper ausbreitet. Auch keine Heilung im engeren Sinne, es ist schlichtweg die Entfernung des krankhaften Gewebes.

Alternative Substanzen

Es gibt heute Substanzen, die angeblich oder nachweislich das Wachstum von schadhaften Zellen mindern. Sie wirken damit quasi wie eine Chemo- oder Strahlentherapie nur eben weniger effizient. Denn das einzige, was eine Krebszelle von einer gesunden Zelle unterscheidet ist beschleunigstes Wachstum.

Selbstheilung

Da es sich um einen Zellschaden handelt, ist es auch durchaus möglich, dass die Mutation nicht lebensfähig ist oder bleibt. Der Tumor (das krankhafte Gewebe) kann also dermaßen instabil sein (werden), dass es von selbst abstirbt und sich nicht weiter ausbreitet. Durch obige Methoden kann das schadhafte Gewebe soweit gestört werden, dass es sich nicht mehr ausbreitet oder direkt abstirbt. Die Mutation kann fortschreiten und zu einem nicht erhaltungsfähigen Stadium führen, womit der Krebs abstirbt. Ebenso möglich (aber eher unwahrscheinlich), dass die schadhaften Zellen Characteristika erlangen, die der Körper als bösartig erkennt und selbst die Krebskranken Zellen entfernen kann – es ist immerhin eigenes Gewebe.

Tatsächliche Heilung

Um Krebs zu heilen bräuchte man „Programmierbare Medikamente“ – die Zellen mit einer ganz speziellen DNA zerstört. Diese müssten für jeden Patienten einzeln programmiert werden und dann müsste man noch die Möglichkeit besitzen, jede einzelne Zelle damit zu erreichen. In der Science Fiction spricht man hier von sogenannten Nano-Bots. Auch vorstellbar wären Viren oder Bakterien, die man gezielt ausrichtet um diese schadhafte Zellen anzugreifen.

Man muss nicht lange erwähnen, dass solcherlei Forschung sehr gefährlich ist und die Anwendung solcher Produkte illegal wäre. Ich meine man wird heute schon panisch, wenn man von Zuchtmais hört (Gen-Mais – wenn wir heute zwei Maissorten kreuzen ist das auch ein genetischer Eingriff, aber irgendwie wissen die Leute von heute das nicht)

Das oben geschriebene ist jetzt wirklich nur ein ganz kleiner Einblick in „Krebs“. Und dann muss man alle Wochen wieder und wieder von irgendwelchen Wunderpflanzen lesen, die angeblich Krebs heilen können – und dass die Pharmaindustrie diese Pflanzen zurückhält. HALLO?! Würden diese Pflanzen wirklich auf magische Weise Krebs heilen können, dann hätte die Pharma das SCHON LÄNGST für sich genutzt, patentieren lassen oder sonstwas. Alleine die Tatsache, dass die Pharma diese Pflanzen nicht benutzt spricht dafür, dass sie keine nachweisbare Wirkung zeigen.

Wenn ich mir heute in den Finger schneide, dann wird diese Wunde wieder heilen oder sich mit einer Wahrscheinlichkeit von xx% entzünden. Ich kann jetzt Zitronengras kauen und nach einer Woche feststellen, dass die Wunde geheilt ist. Das liegt aber nicht am Zitronengras, sondern einfach, weil sich die Wunde von alleine geheilt hat. Aber natürlich, ich kann auch sagen, Zitronengras wäre jetzt ein Wundermittel. Hilft aber niemandem. Schon gar nicht bei Krebs

Wer also einem Krebspatienten im Endstadium empfiehlt statt einer Chemotherapie lieber eine dubiose Frucht zu lutschen, der handelt in meinen Augen grob fahrlässig, denn wer auch nur ansatzweise verstanden hat, was Krebs eigentlich ist, der weiß, dass eine Frucht nicht helfen kann (es sei denn die Frucht wirkt auf dieselbe Weise wie eine Chemo, aber dann wäre sie giftig und die Dosierung müsste exakt eingehalten werden)

Nicht auszuschließen sind natürlich Selbstheilungskräfte, Plazebo-Effekt in Kombination mit dem guten alten Zufall oder einfach Glück. Letzteres lässt sich aber eben nicht erzwingen und schon gar nicht durch irgendeine Frucht.

Die Krebsforschung – finanziert von Vielen, natürlich hat auch die Pharmaindustrie großes Interesse an einer Methode zur Bekämpfung von Krebs – beschäftigt sich eben damit, neue Charakteristika von Krebszellen zu finden, die man nutzen kann um Krebs zu bekämpfen. Aber auch für Mittel und Wege vorhandene Methoden zu verbessern oder Nebenwirkungen zu lindern. Auch werden andere Stoffe erprobt, erforscht, wie und warum Sie wirken – wenn die Wirkung nachgewiesen wird, dann wird der zuständige Stoff extrahiert, raffiniert und in verbesserter Form als Medikament erzeugt. Im Falle von Aspirin kauen wir heute auch nicht 2 kg Wurzeln sondern nehmen die raffinierte „reine“ Form (chemisch aufwendig) der Substanz um die gewünschte Wirkung zu erzielen.

Krebs ist heute nicht heilbar. In der Medizin nimmt man eine Heilung dann an, wenn die prognostizierte Lebenserwartung verlängert werden konnte oder ein Rückfall über eine gewisse Zeitperiode verzögert werden konnte.

Jeder ist gerne eingeladen in den Kommentaren alle Möglichen „Hausmittel gegen Krebs“ zu erwähnen, in den meisten Fällen spricht ja nichts dagegen, diese trotzdem zu probieren – aber bitte nicht als Alternative gegen anerkannte Methoden, sondern als Ergänzung 🙂

3 Gedanken zu „Warum man Krebs nicht heilen kann“

  1. Hallo!
    Krebs nicht heilbar? Eine reichlich naive Vorstellung von zufälliger Zellmutation, natürlich unter Ausschließung der Funktion von Immunsystemen, denn die sind ja nur zufällig da. Wäre das so, würde es schon zufällig die Menschheit nicht mehr geben im Lauf der Jahrtausende. Also bitte, Krebs ist wirklich kein ungünstiger Zufall, sondern entsteht durch Schädigung dieser Immunsysteme. Und diese Ursachen liegen auf der Hand. Richtig ist aber, Krebs ist durch irgendwelche derzeitig erhaltbaren Mittel und Behandlungen nicht heilbar. Und, Krebs hat im erkennbaren Vorstadium bereits mehr als 70% der Industriegesellschaft erreicht. Da wird wohl erst die Zufallstheorie korrigiert, wenn Krebs-Ausnahmezustand ausbricht, also einmal klar wird, jeder hat anscheinend schon den Zufallskrebs. Was für ein Zufall nach Jahrzehnten der Verdrängung der Ursachen. Aber die Heilungsraten steigen immer weiter, wahrscheinlich auf 200% von Null. Ein Trost am Ende. Krebs ist heilbar, wenn man eine Ebene höher eingreift. Und gut vermeidbar ohnehin.

    1. Deine Meinung in Ehren – aber Tatsache ist, dass wir keine Ursachen ausmachen können, sondern nur wahrscheinlichkeiten, die letztendlich zur Zellmutation führen. Bekräftigt wird dies durch die häufige Erkrankungen selbst von Personen, die gar keiner Risikogruppe angehören und der Verschonung jener, die trotz Hochrisiko auch mit knapp 90 noch krebsfrei auf dieser Welt weilen.

      Scheinbar deckt sich also doch die Realität mit dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand über Krebs. Fun Fakt: Der Mensch selbst ist auch nur ein Zufall. Jegliche Evolution ist streng genommen ein Zufall gefolgt von einer logisch erfassbaren Kausalfolge und sie ist im Falle von Bakterien und Viren sogar live mitverfolgbar und im Falle von Grippe sogar alljährlich neu erlebbar

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