Import nach Gran Canaria – Ein Leidensbericht

Viele Besucher freuen sich über Beiträge die Ihnen einen Einblick in das tägliche Leben auf Gran Canaria geben. Auf anderen Blogs liest man über den normalen Tagesablauf, ich möchte euch diesmal einen Leidensweg zum Thema Import auf Gran Canaria bieten.

Das ein oder andere darf hier durchaus sinnbildlich für generelle Teile der spanischen Menthalität in Bezug auf Kompetenz und Arbeitsengagement angesehen werden – aber zur Geschichte.

Ich importiere häufiger diverse Artikel aus dem Ausland, Waren, Handelsartikel, etc. Ich nehme aber an, dass das ein oder andere auch auf Privatimporte angewandt werden kann.

Vorweg: Wer keine extrem dicken Nerven, viel zeit/Geduld und Geld hat, der suche sich eine Logistikfirma die bekannt ist und entsprechend im Ursprungs- und Zielhafen entsprechende Büros unterhält.

In diesem speziellen Fall geht es dabei um eine etwas größere Lieferung mit Ursprung China und Ziel Las Palmas. Aus Bequemlichkeit lies ich den Verkäufer die Logistik senden, auch, weil ich einen guten Komplettpreis für Ware inkl. Versand erhalten habe. Die Ware sollte mit Schiff China verlassen, in Barcelona zwischenlanden und dann nach Las Palmas/Gran Canaria weitertransportiert werden.

Die Ware verlässt ordnungsgemäß den Ursprungshafen und macht sich auf den Weg Richtung Europa. Im Land der aufgehenden Sonne verläuft alles reibungslos mit gutem Informationsfluss und alle Papiere erreichen mich postal oder elektronisch wie man sich das vorstellt bzw. gewohnt sein sollte.

Kurz vor Zielhafen Barcelona kontaktiert mich das Importbüro der beauftragten Firma und erkundigt sich nach meiner E-Mail-Adresse. Ich hatte kurz zuvor bereits eine Mail an die Firma geschickt mit Nachfrage über Status.

Buchstabieren per Telefon ist bei so Dingen wie E-Mail-Adressen oftmals problematisch, speziell dann, wenn die zwei Parteien nicht fließend und akzentfrei die gleiche Sprache sprechen. Ich merkte allerdings an, dass ich bereits eine Mail an Hrn. XY gesendet hatte und man versicherte mir, dass dies ok sei und man sie dort schon finden würde.

Dann war Funkstille. Ich verfolgte online die Position des Schiffes und wunderte mich nach kurzer Zeit, warum ich noch keine Rückmeldung hatte. Ein weiterer Tag vergeht – also rief ich an der Nummer an, die mich zuvor wegen der E-Mail-Adresse angerufen hatte. Es meldete sich eine unbekannte Person die mich an eine E-Mail-Adresse einer gänzlichen anderen Firma verweist – flugs eine Mail geschrieben, am nächsten Tag eine Antwort von einer Person, die mich an eine weitere Person weiterleiten sollte, die in Kopie als Empfänger eingetragen war. Diese meldete sich später mit der Information, dass die Ware noch nicht weitergeschickt wurde, weil ich die Rechnung (über Hafengebühren Barcelona) nicht bezahlt habe

Ich habe zu diesem Zeitpunkt auch nach einem Kostenvoranschlag für Zollabfertigung und Hauszustellung gefragt. Wieder verwies man mich an eine Person, die in Kopie als Empfänger beigefügt war. Diese meldete sich gar nicht.

Da aber keine Rechnung beigefügt war, bat ich um erneuten Versand der Rechnung, da ich sie nicht erhalten habe.

Funkstille.

Ich frage erneut per Mail nach der Rechnung und erhalte nun endlich eine Mail weitergeleitet, welche die Rechnung erhält. Natürlich war diese 1 Woche zuvor (solange hat es gedauert bis ich die Rechnung erhielt!) an eine falsche E-Mail-Adresse versendet worden. Keiner hat nachgefragt, keiner hat meine bereits anfangs versendete Mail betrachtet.

Ich erhalte also eine unerwartet hohe Rechnung über alle möglichen Hafengebühren – kann sie aber nicht bezahlen, da keine Zahlungsinformationen beigefügt sind.

Ich frage also erneut, ob man denn so freundlich sein könnte mir auch Zahlungsinformationen beizufügen.

Wieder einen Tag später erhalte ich eine Mail mit den Zahlungsinformationen (in einem schön aufbereiteten Dokument – man hat es also) und bezahle endlich die Rechnung.

Im Zuge dessen frage ich auch nach, warum ich noch keine Kostenaufstellung für Zollabfertigung und Haustransport habe.

Ich bekomme eine Mail mit einem Preis von 120 Euro für die Zollabfertigungsprozedur (fast doppelt so teuer wie andere Angebote) aber keine für den Haustransport. Ich frage erneut ob der Haustransport bereits inkludiert ist oder was er kostet.

Ich erhalte ein simples „nein“ – eine weitere Kostenschätzung erhalte ich nicht, werde aber in 2 Mails gefragt, ob ich den Zollagent buchen will, da man adfür noch eine Rechnung schicken müsste.

Während dieser ganzen Zeit liegt die Ware im Hafen von Barcelona in einem Lagerhaus herum. Wieder ein paar Tage nachdem der Zahlungseingang bestätigt wurde und ich annahm man würde nun versenden schrieb ich erneut eine Mail mit der Anfrage wie der aktuelle Status wäre, und dass die Ware nun seit 2 Wochen gelangweilt herumliegt (es ist Montag).

Am nächsten Tag (Dienstag) erreicht mich die Antwort, dass die Ware am Freitag verladen wird und am darauffolgenden Dienstag in Las Palmas ankommen soll.

Ich akzeptiere das und kontaktiere einen sehr viel zuverlässigere Logistikfirma für die Zollabfertigung und Hauszustellung. Diese sind bemüht und schnell sind alle Dokumente ausgetauscht – bis auf die (neuen) Frachtpapiere.

Wieder schreibe ich eine Mail an „die Anderen“ mit der Frage, ob ich die neuen Frachtpapiere für meinen Zollagenten haben könnte.

Nun hieß es allerdings, dass die Ware erst am Samstag verschifft wurde und eine Woche unterwegs sein wird. Es werden keine Frachtpapiere erwähnt (geschweige denn mitgeschickt).

Ich frage also nochmals explizit danach mir die Frachtpapiere zu senden – erreicht mich doch tatsächlich eine E-Mail mit den ORIGINALEN Frachtpapieren, die ich vor (mittlerweile) 3 Wochen selbst zu denen gesendet habe! Keine neuen, keine aktuellen.

Das war dann auch der Zeitpunkt, wo ich es abgelehnt habe auch nur 1 weiteres Wort mit einer derart inkompetenten Firma zu wechseln und bat meine Zollagentur, dass sie bitte freundlicherweise selbst bei den Zuständigen die notwendigen Papiere erfragen solle.

Zu diesem Moment hab ich keinerlei Ahnung wo meine Fracht gerade ist. Vermutlich auf irgendeinem Schiff, dass man mir nicht nennen kann oder will.

Manchmal hat man in Spanien wirklich den Eindruck, man wäre der erste Kunde einer Firma die bereits viele Jahre existiert. Tatsächlich hat man dieses Gefühl in Spanien bei so mancher Firma – es gibt durchaus kompetente Firmen aber grundlegend ist davon auszugehen, dass eine Sache schlecht, gar nicht oder vollkommen verkehrt gemacht wird. Traurigerweise betrifft das alle Bereiche.

Selbst die verärgerte Reaktion eines Kunden wird gelassen ignoriert. Es ist scheinbar egal. Bezahlen muss er sowieso und den Mitarbeiter der am anderen Ende der Leitung sitzt kümmert das oft auch gar nicht. So mancher Mitarbeiter an einem Service-Telefon legt auch einfach auf, wenn ihm die Beschwerde eines Kunden gerade nicht passt.

Spanien hat viele Vorzüge und viele Dinge die sicherlich auch lobenswert sind. Die Arbeitsmoral und Ehrgeiz im Beruf gehören leider nicht dazu.

Dafür sind Spanier generell eher fröhlicher einzuschätzen als so mancher griesgrämiger Deutscher. Selbst auf Ämtern sind die Leute meistens gut drauf – ist Ihnen aber auch völlig egal, ob du einen Zettel brauchst oder nicht. Sorgenfrei eben 🙂

Trotzdem ist dies eine Sache, die jeder, der hier leben will auch mal erfahren muss. Man kann sich das eigentlich vorher kaum vorstellen, bis man hier ist und damit zu tun hat. Manchmal wird die Nähe zu Afrika einfach zu deutlich – auch, wenn es beispielsweise nur ein Techniker ist, der es nicht fertigbringt eine Deckel gerade aufzusetzen damit die Schrauben passen (kein Witz).

2 Gedanken zu „Import nach Gran Canaria – Ein Leidensbericht“

  1. Hallo,

    meine Erfahrungen sind in dem Punkt – zum Glück – auf der ganzen Linie anders. Bei meinem Transport der Einrichtung von D nach GC lief alles reibungslos, obwohl es ein etwas verworrener und günstiger Weg war. Aber auch auf der Insel habe ich in den letzten Jahren nur positive Erfahrungen machen können. Ein, für mich, typisches Beispiel: Kauf von Möbeln nach der Ankunft. Wir waren an einem Samstag Nachmittag beim Möbelhaus Pepe Jesus. Erst in Vecindario, später in San Fernando. Wir kauften ein Sofa und Gartenmöbel. Die Verkäuferin entschuldigte sich fast dafür, dass eine Anlieferung erst am Montag möglich sei. Wir freuten uns darüber. Als Termin wurde uns Montag, 12.00 Uhr genannt.
    Zehln vor 12 am Montag klingelte das Handy, Pepe Jesus am Apparat, sie standen vor der Tür. Die beiden Männer brachten die Möbel hoch, packten sie aus, nahmen den Müll wieder mit. Absolut perfekt.
    Das ist nicht das einzige mal, dass ich es so erlebte – ich habe es praktisch immer so erlebt. Bei den Möbeln, bei der Spülmaschine, bei der Matratze (da zumindest fast, Ikea war nicht ganz so perfekt, aber immer noch sehr gut). Aber auch bei Handwerkern, dem Wassermann oder anderen Dienstleistern. Wenn tatsächlich mal etwas nicht ganz so gelaufen ist, wie versprochen, hat man sich entschuldigt und schnellstmöglich für Abhilfe gesorgt. Ja, meine Erfahrungen waren bisher immer sehr gut.

    1. Hallo Wolfgang und danke für Deinen Kommentar

      Es gibt durchaus auch vorbildliche Firmen auf den Inseln – mit der Zeit kommt man aber auch häufig an andere. Auch ich hatte bereits gute Erfahrungen mit bspw. Euromuebles. Aber auch dort kommt es vor, dass man etwas kauft, man kurz danach angerufen wird, dass die Ware im Lager beschädigt wurde, es sich daher verzögert. Bekommen hat man dann ein sehr schlecht nachlackiertes Möbelstück zum Normalpreis. Aber auch da hat sonst alles funktioniert.

      Aber ich will nicht verneinen, dass es auch auf der Insel viele Firmen und Dienstleister gibt, die gute Arbeit leisten – als Regel würde ich es (zumindest nach meinen Erfahrungen der letzten knapp 7 Jahre) eher nicht nehmen 🙂

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