Autofahrer auf Gran Canaria

Autofahren auf Gran Canaria – oder besser, wie gut fahren die Canarios (oder Ansässige) mit Ihrem Auto – darum geht’s in diesem Thema zusammen mit ein paar witzigen oder aber traurigen Geschichten je nach Blickpunkt.

Generell sprechen wir in diesem Artikel primär vom Süden Gran Canarias – es ist gut möglich, dass es sich im Norden oder auf den anderen Inseln anders verhält, aber meine Hand dafür ins Feuer legen würde ich nicht.

Zuallererst sei anzumerken, dass jene, die frisch auf die Insel kommen direkt eine Sache bemerken: Den Zustand von Gebrauchtwagen – man findet kaum ein Auto ohne Blechschaden. Ausnahmen mögen die Regel bestätigen, aber im Grunde ist es so, dass fast jedes Auto auf der Straße eine kleine Delle hat oder aber auch rundherum aussieht wie eine Dose, die man aus dem Müll gefischt hat.

Woran liegt das?

Im Süden von Gran Canaria findet man kaum eine Ampel – soweit möglich sind überall Kreisverkehre oder normale Kruezungen vorhanden. Das ist einersets gut für den fließenden Verkehr (sogar sehr gut) und ermöglich ein angenehmes und zügiges Vorankommen, auf der anderen Seite verlangt es den Verkehrsteilnehmern ein größeres Maß an Aufmerksamkeit ab – es gibt eben keine Ampel, die es einem abnimmt, dass man sich erst vergewissert, ob die Straße frei ist.

Davon ab, dass viele Besucher nicht wissen, wie ein zweispuriger Kreisverkehr zu benutzen ist, ist es auch so, dass Spanier generell etwas sorglos sein können und das trifft dann auch auf den Straßenverkehr zu.

Generell ist es hier so, dass niemand wie ein Verrückter auf seinen Vorrang besteht – es wird generell etwas mehr darauf geachtet, was der umliegende Verkehr so macht – und das sollte man tunlichst auch selbst tun. Das funktioniert sogar ziemlich gut.

Parkplätze

Große Vorsicht ist geboten, wenn man auf einem Parkplatz unterwegs ist. Das ist dann wilder Westen – beim Parken denken alle, dass sie alleine auf der Welt sind. Gerne fährt man auch in Straßenbegrenzungen oder Absperrungen oder in vorbeifahrende Autos hinein. Parkschäden sind die häufigste Ursache für Soda-Dosen auf Rädern.

TIPP: Auf einem Parkplatz höchste Vorsicht! Wenn jemand aus der Parklücke fährt, dann tut er das oftmals ohne Rücksicht auf Verluste. Hupen hilft oft nicht, wenn’s dann kracht sind alle erstaunt.

Kreisverkehre

Ein weiteres hohes Gefahrenpotential herrscht innerhalb des Kreisverkehres – besonders dann, wenn man diesen nicht gerade durchfährt sondern 1 weiter fährt – dies wird gerne und häufig übersehen – ein anderes Auto fährt in den Kreisverkehr ein und schon kommt es zur Kollision da ein Bremsen oftmals nicht mehr möglich ist.

TIPP: Innerhalb eines Kreisverkehres oder auch beim Einfahren in einen solchen immer vergewissern, dass beide Verkehrsteilnehmer mitbekommen haben, was der jeweils andere vor hat. Im Zweifelsfall lieber bremsen und wenn möglich immer den Blinker benutzen (auch, wenn man IM Kreisverkehr bleibt. Nicht richtig, aber hilft dem Gegenverkehr zu zeigen, was man vor hat.

Enge Straßen

Vorsicht ist geboten, wenn man auf einer engen Straße auf Gegenverkehr trifft. Es ist davon auszugehen, dass dem Fahrer nicht bewusst ist, dass sein Auto hinter ihm noch weiter geht. Manchmal scheint der Gedanke zu obsiegen, dass das eigene Fahrzeug nur 1 Meter lang ist.

TIPP: Gefahrenzonen solcher Art möglichst schnell verlassen und soviel Platz wie möglich zum Gegenverkehr herstellen.

Blinken

75% aller Autofahrer wissen nicht wofür der Blinker ist. Es kann also durchaus passieren, dass ein Fahrzeug vor einem plötzlich bremst, einlenkt und kurz bevor die Kurve umfahren ist eventuell doch noch schnell den Blinker setzt. Das interessiert zu diesem Zeitpunkt zwar überhaupt niemanden mehr – aber naja, manche haben’s eben nicht verstanden.

TIPP: Generell immer ausreichend Abstand halten – nicht immer sind die Absichten des Vordermannes klar ersichtlich, speziell, wenn sie in eine Parklücke fahren wollen muss das nicht immer gleich ersichtlich sein – das Fahrzeug bleibt möglicherweise einfach stehen. Bbesser auf Überholvorgänge verzichten, bevor man sich nicht völlig sicher ist oder ein entsprechendes Zeichen bekommt.

Schleicher

Etwas unpopulär aber es gibt auch Schleicher. Irgendwann aus der Nachkriegszeit und der Ölkrise sind vermutlich so manche Geschwindigkeitsbegrenzungen übrig geblieben. Dazu zählt bspw. das unpraktische Tempo 40 innerorts (passt leider gar nicht zu heutigen Fahrzeugen) oder aber auch Tempo 40 auf Überlandstraßen. Es ist damit zu rechnen, dass Leute auch auf einer 2 km schnurgeraden Straße mit 5km Sicht trotzdem 40 km/h – zwar rechtlich richtig, aber eventuell für den geübten Autofahrer nicht nachvollzieh- oder direkt erkennbar. Auffahrgefahr! Nicht zu riskanten Überholmanövern verleiten lassen.

TIPP:  Nur überholen, wenn wirklich ausreihend Sicht vorhanden ist. Nicht nur wegen des Gegenverkehrs, sondern wegen der besonders hohen Dichte an Bremshügeln, die teilweise übertrieben hoch sein können.

Hupen

Gehupt wird auf Gran Canaria hauptsächlich zur Begrüßung. Wenn man jemanden sieht, den man kennt, dann wird gehupt. Wird die Hupe nicht bemerkt, dann wird auch mal stehen geblieben und gerufen oder nochmal gehupt. Es ist sehr wichtig, dass der begrüßte die Begrüßung auch wahrnimmt. In kleinen Dörfern, wo jeder, jeden kennt wird auch gerne ständig gehupt.

TIPP: Wenn Ihr euch wegen eines Fahrers ärgert, bringt es nichts ihn anzuhupen – er würde sich nur umdrehen um festzustellen, wer ihn kennt und grüßen will.

Gold Car

Gold Car ist eine bekannte Autovermietung auf Gran Canaria und deren Autos sind leicht an dem großen gelben Aufkleber an der Heckscheibe erkennbar. Meistens ortsunkundige Touristen, die noch nicht entdeckt haben, dass Ihr Auto einen 2. Gang besitzen. Wir nennen Sie liebevoll einfach „Gold Cars“ da sie schon von weitem gut zu erkennen sind. Ähnlich wie Hutfahrer im restlichen Europa.

TIPP: Schnelles überholen spart viel Zeit. Für gewöhnlich hat man als Resident nicht die Geduld lange hinter einem solchen Fahrer zu bleiben und meistens kommt man in Gran Canaria dank mehrspuriger Straßen in den städtischen Zonen recht gut vorbei. Hat man die Wahl zwischen 2 Straßen und in eine ist ein Gold Car eingebogen – nehmt die andere Straße, die ist schneller. Auch, wenn Sie in die andere Richtung geht 🙂

Toyota Hilux

…und Konsorten. Das sind die PickUps wo hinten groß der Hersteller drauf steht. Meist „Toyota“ oder „Nissan.“ Für gewöhnlich findet man diese Spezies in der Umgebung von Städten oder im ländlichen Umfeld. Diese fahren sehr, sehr langsam und bleiben eventuell stehen, wenn Ihre Ladung durch einen der tausend Bremshügel auf der Insel beschädigt wurde.

TIPP: Generell vermeiden, frühestmöglich überholen, da in den engen Straßen der ländlichen Ortschaften zwischen den Bremshügeln nur selten ein sicheres Überholen möglich ist.

Radfahrer

Durchaus ein Thema für sich wert. Radfahrer auf Gran Canaria fahren wo sie wollen. Nebeneinander, hintereinander, quer schräg. Sie fahren oftmals ohne Schauen in den Kreisverkehr oder verlieren auch mal einfach so auf gerader Strecke die Kontrolle.

Auch auf Straßen die bergauf gehen, fahren die Kollegen nebeneinander blockieren ganze Straßenabschnitte und schlenkern wild von links nach rechts oder fallen einfach um.

Bergab kommen sie gerne mit Vollgas auf der falschen Spur entgegen oder fahren in edn Graben während Sie in eine andere Richtung schauen.

TIPP: Um jeden Preis vermeiden.  Großräumig umfahren.

Fussgänger

Bei Fussgängern ist besondere Vorsicht angeboten – sowas wie Verkehrserziehung gibt es nicht und während die Autofahrer gerne auch Ihr Umfeld beobachten, so ignoriert ein Fussgänger generell die Existenz von Automobilen.

Da läuft man ohne Schauen über die Straße (auch gerne einfach seitlich in ein Auto hinein – alles schon passiert), springt zwischen parkenden Autos hervor oder geht – auch wenn ein Auto kommt – einfach trotzdem irgendwo über die Straße (auch mit Blickkontakt)

TIPP: Umsicht in belebten Zonen. Beten.

Autobahn

Auf der Autobahn muss ständig mit Mittelspurfahrern gerechnet werden – ein Hobby der Spanier ist das generelle Benutzen/Blockieren der mittleren Fahrspur.

Auf der Autobahn zeigen sich auch die Autofahrqualitäten der Inselbewohner – pro Woche liegt mindestens 1 Auto am Dach oder hinter der Leitplanke. Meistens weiß man nicht, wie das möglich war, aber kurioser weise passiert es ständig.

Nicht unschuldig daran sind Leute die plötzlich und ohne Vorwarnung die Fahrspur wechseln obwohl sie der festen Überzeugung waren die Autobahn völlig alleine zu befahren.

Oftmals werden solche Manöver auch durch Mittelspurfahrer provoziert.

Vor Radargeräten wird übrigens von fast allen auf die halbe erlaubte Geschwindigkeit gebremst – das mag mitunter daran liegen, dass die Mindeststrafe bei 200 Eur liegt (mit 50% Rabatt bei sofortiger Zahlung) – man kann aber gefahrlos bei 100er Zone mit 100 beim Radar vorbeifahren, man muss nicht auf 60 km/h bremsen, wie alle anderen 🙂

TIPP: Augen auf die rechte Flanke – man weiß nie, wann das Fahrzeug vorne rechts plötzlich der Meinung ist alleine auf der Welt zu sein und ohne Ankündigung ausschert (und danach blinkt)

Habt Ihr auch schon solche Erlebnisse auf Gran Canaria gehabt oder einen weiteren Tipp? Hinterlasst einen Kommentar!

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